weekchange oder weekend?
Zugegeben, das erste Wort gibt es in meinem Englischwörterbuch nicht. Auch das entsprechende deutsche Wort ist ungebräuchlich: Wochenwechsel. Das zweite hingegen ist uns allen gut bekannt. «Es schöns Wochenendi!», wünschen wir uns am Freitag und Samstag. Dieser Wunsch beinhaltet eine kulturgeschichtliche Verschiebung, die uns meist nicht bewusst ist und deren Bedeutung wir vermutlich noch unterschätzen.
Was ist gemeint? In der jüdisch-christlichen Wocheneinteilung ist der Sonntag der erste Tag der Woche und der Samstag also der siebte Tag. So gesehen ist die Rede vom Wochenende, wenn der Sonntag mitgemeint ist, falsch. Wir müssten genau genommen vom Wochenwechsel – oder eben weekchange – reden.
Wie kommt es, dass der Sonntag zum «Wochenende» geworden ist? Die Juden feiern gemäss biblischem Schöpfungsbericht und Sabbatgebot den siebten Tag, den Sabbat/Samstag, als Ruhetag, «dem Herrn geweiht». Die Christen haben von Anfang an am ersten (Werk‑)Tag der Woche (am Sonntag!) die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Das geschah frühmorgens oder am Abend. Später wurde im christlichen Einflussbereich der Ruhetag vom Samstag auf den Sonntag verlegt, um während des Tages Gottesdienst feiern zu können.
Die Woche bestand also während Jahrhunderten aus dem sonntäglichen Auferstehungs-Feiertag und sechs Arbeitstagen. Man wünschte sich am Samstag einfach «einen schönen Sonntag».
Die 5-Tage-Arbeitswoche mit zwei «Ruhetagen» ist eine relativ junge Errungenschaft. Gemäss «biblischer Ordnung», wonach die Ruhe nach der Arbeit kommt, wurden so die zwei arbeitsfreien Tage zum «Wochenende».
Die Rede vom «Wochenende» erzeugt ein Lebensgefühl, wonach unser Leben zuerst zum Arbeiten da ist – und dann auch noch Ruhetage zur Erholung braucht.
Die Feier des Sonntags als «ersten Tag der Woche, an dem Christus von den Toten auferstanden ist», betont dagegen unser Leben als Gottesgeschenk, das wir zuerst einmal feiern und geniessen dürfen, und das uns ermöglicht, danach auch in unserer Arbeit «schöpferisch tätig» zu sein.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern «e schöne Sonntig»!
Pius Troxler, Pastoralraumpfarrer